Die Mondsichel

Leben im Rhythmus der Natur 

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Hintergrund / Biologie 

Alles was messbar ist, überzeugt...

Buchtitel Biologie des Mondes


Ringelwurm
Der Ringelwurm Platynereis dumerili, der bei Vollmond geschlechtsreif wird.
Foto: Universität Wien

Täglich reagiert alles Leben auf der Erde auf die Sonne, es wäre doch ein Wunder, wenn es nicht auch auf unseren Nachbarn, den Mond, reagieren würde. 

Die traditionellen Mondkalender sind aus der Naturbeobachtung unserer Vorfahren entstanden. Man muss vielleicht  nicht an die Gültigkeit aller Mondregeln glauben, die im Laufe der Jahrhunderte zusammengetragen wurden. An der einen oder anderen Stelle mag sich auch Aberglauben eingeschlichen haben. Aber es ist sicher ebenfalls Aberglauben, alles als Aberglauben abzutun. "Alles prüfet, das beste behaltet" rät der Apostel Paulus in seiner zeitlosen Regel. 

 In ihrem Buch  Biologie des Mondes. Mondperiodik und Lebensrhythmen von 1997 haben die Autoren Endres/Schad  aus nicht weniger als 1100 wissenschaftlichen Veröffentlichungen Ergebnisse der biologischen Forschung zum Einfluss der Mondrhythmen zusammengetragen. Hunderte von Arten vom Aal über Mensch und Maus bis zum Zooplankton reagieren demnach erwiesenermaßen auf den Mond . Chronobiologie heisst ein modernes Stichwort dafür.  Aus der riesigen Liste einige wenige, herausgegriffene Beispiele :

Tier

 

Die ganze Populationen vieler Arten von Korallen des 2000 km langen Great Barrier Riffs, geben in der gleichen Nacht des Jahres innerhalb weniger Stunden   an weit entfernt liegenden Orten ihre Fortpflanzungszellen freigeben - immer nur in einer (Süd-) Frühlingsnacht in der Woche nach Vollmond

Aber auch unsere Miesmuscheln und Strandschnecken leben im Rhythmus des Mondes, genau wie Wanderaal, Goldhamster, Labormaus und Nachtschwalbe. Bei den im Aquarium beliebten Guppys  schwankt z.B. die Lichtempfindlichkeit im Mondrhythmus.

 

Den Gärtner wird die Aktivität des Regenwurmes interessieren: Am aktivsten ist er während Voll- und besonders bei Neumond, wie man durch Messen der Kriechgeschwindigkeit und des Sauerstoffverbrauches herausgefunden hat ( S. 176/7). "Das ganze feine Wechselspiel zwischen Sonne, Erde und Mond macht er so in seiner Lebensweise bewundernswert mit" fassen die Autoren zusammen ( S.11).

Pflanze

Die beschleunigte Keimung von Senfsamen unter Mondlicht ist bereits 1923 beschrieben worden. (Sie ist mit dem Einfluss des zu bestimmten Zeiten des Mondzyklus polarisierten Lichtes auf das Enzym Diastase versucht worden zu erklären.) 

Experimente mit Möhren und Kartoffeln zeigten Mondeinfluss selbst unter abgeschirmten Laborbedingungen.

 In der sehr angesehenen Wissenschaftszeitschrift Nature wurden 1998 Ergebnisse von Experimenten mit Bäumen veröffentlicht. Darin beschreibt der Schweizer Holzwissenschaftler Ernst Zürcher und Kollegen, dass der Durchmesser von Bäumen sich ändert im Rythmus von Ebbe und Flut - auch unter kontrollierten Bedingungen. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Mond den Wasseraustausch zwischen verschiedenen Teilen eines Baumes beeinflusst. Nature 392, 665 - 666 (16 April 1998):  Tree stem diameters fluctuate with tide. 

Schon Jahrzehnte früher stellte der Yale Biologe H.S. Grat fest, dass sich die Spannung zwischen Elektroden änderte, die er in Bäume eingesetzt hatte  -  mit der Phase des Mondes. Burr, H.S.; "Moon Madness," Yale Journal of Biology and Medicine, 19:249, 1944

Bedenkt man dazu, dass ein Zusammenhang zwischen der Mondphase und Keimung, bzw. Wirkstoffgehalt bei verschiedenen Gemüsen und Heilpflanzen gemessen wurde, sollte das auch Skeptiker des Mondkalenders für den Garten  nachdenklich stimmen (S. 113).

Auch an der Universitärt Wien, am Campus Vienna Biocenter, geht man zur Zeit der Frage nach "Steuert der Vollmond biologische Rhythmen?" An Zebrafisch und Ringelwurm wird bei - allerdings künstlichem - Mondlicht geforscht. Kristin Tessmar vom Zentrum für Molekulare Biologie will in ihrer Forschung klären, welche Rolle bestimmte Lichtsinneszellen für biologische Rhythmen spielen.

 

Mensch

Selbstverständlich ist auch der Mensch vermessen worden: z.B. ist er  um den Vollmond mehr rot- als blauempfindlich, aber auch die Harnsäureausscheidung ist mondphasenbeeinflusst. Viele Menschen leben, wenn sie abgekoppelt werden von äusseren Rhythmen nach dem ca. 25 stündigen Mondtag und nicht nach dem 24 stündigen Sonnentag.

 

Fazit

Mondrhythmen sind "wenn man nur genau genug misst, bei vielen Organismen zu ermitteln". Alles eine Problem nicht zuletzt von Zeit und Aufwand..   "Damit gewinnen wir aufs neue Einsicht in einen Zusammenhang, der in alter Zeit nur Überlieferung war: den Zusammenhang des Mondes mit der Lebenswelt.", glauben die Autoren. 

Der moderne Mensch hat die Freiheit seine natürlichen Bindungen an die Natur und ihre Rhythmen sehr weit zu lockern - aber genauso besitzt er die Freiheit, sich bewußter als seine Vorfahren  auf sie einzulassen und sie zu nutzen. Der vernünftige Umgang mit dem Mondkalender  kann ihm beim  Leben im Rhythmus der Natur helfen.

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